Kann deine Wahrnehmung von Stress dich nachhaltig gesünder machen?

Aktualisiert: 13. Juli

Stress ist ein fester Bestandteil in unserem Leben, egal in welchen Lebensbereichen. Auch wenn wir regelmäßig Sport treiben, uns wohlverdiente Pausen nehmen und meditieren – Stress ist ein konstanter Begleiter.

Das zurzeit in den sozialen Medien stark verbreitete Bild eines vermeintlich stressfreien Alltags, führt bei vielen (insbesondere jungen) Menschen zu Selbstzweifel und Frustration. Uns allen wurde beigebracht, dass Stress grundsätzlich nur negative Auswirkungen auf unsere mentale und physische Gesundheit haben kann. Chronischer Stress kann z. B. zu hohem Blutdruck und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Indem Stress das Immunsystem schwächt, macht es uns anfälliger für Krankheiten und kann auch zu Asthma, Verdauungsstörungen und sogar Krebs führen. Neue Studien zeigen, dass Stress zudem auch den Alterungsprozess beschleunigt.

Kein Wunder also, dass wir uns alle bemühen, ein möglichst „stressfreies“ Leben zu führen – und uns so noch mehr stressen und an uns zweifeln, wenn dies nicht so funktioniert wie wir uns das vorstellen. Doch was passiert, wenn wir nun akzeptieren, dass Stress ein fester Bestandteil unseres Lebens ist? Wie können wir lernen mit Stress umzugehen und gibt es eine gesunde Form von Stress?



Eustress vs Distress


In der Psychologie werden grundsätzlich zwei Formen von Stress unterschieden. „Distress“ und „Eustress“. Distress bezeichnet hierbei die Form von negativem Stress, die uns allen wohlbekannt ist. Distress fühlt sich unschön an und kann zu sowohl psychologischen als auch körperlichen Krankheiten führen. Zudem kann Distress sowohl über längere Zeit als auch kurzzeitig auftreten und verringert unser Leistungsvermögen. Negative Stressoren, welche Distress erzeugen können, sind bspw. ein Todesfall in der Familie oder im nahen Umkreis, Scheidung, körperliche Verletzungen oder Krankheitsfälle, Schlafprobleme, Arbeitslosigkeit, finanzielle oder rechtliche Sorgen, chronische Gefühle der Überforderung oder Konfliktsituationen mit anderen Personen.

Eustress – die positive Form von Stress – ist zwar nur wenigen von uns ein Begriff, das Gefühl kennen jedoch die allermeisten. Es ist die Art von Stress, die eher einer Aufregung oder Vorfreude gleicht, uns motiviert und unsere Leistungsfähigkeit steigert. Im Gegensatz zu Distress, tritt Eustress nur kurzfristig ein. Positive Stressoren können bspw. eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung sein, ein neuer Beruf, die Geburt eines Kindes, ein Umzug, eine Reise, eine Hochzeit oder das Erlernen eines neuen Hobbies.



Stressreaktionen deines Körpers


Psychologin Kelly McGonigal macht in ihrem spannenden Ted Talk auf neue Erkenntnisse aufmerksam. Sie bezieht sich auf Studien der Harvard Universität, die nachweislich zeigen, dass unsere Wahrnehmung und Interpretation unseres empfundenen Stresses, die körperlichen Auswirkungen und negativen Folgen für unsere Gesundheit beeinflussen können.

Sind wir im Stress, so reagiert unser Körper oft mit Signalen. Schnelleres Atmen, erhöhter Puls und Schweißausbrüche gehören zu den Stressreaktionen des Körpers.

McGonigal wirft nun die Frage auf, was passieren würde, wenn wir diese Reaktionen zwar wahrnehmen aber für uns anders interpretieren würden. Das die Signale des Körpers uns nicht noch mehr alarmieren, sondern wir sie als unterstützende Reaktion unseres Körpers für eine herausfordernde Situation wahrnehmen. Der schnellere Atem sorgt dann nur dafür, dass mehr Sauerstoff in unser Gehirn gelangt und macht uns leistungsfähiger. Der erhöhte Puls steigert dann lediglich unsere Energie und Motivation.



Kuschelhormon vs Stress


Eine weitere Stressreaktion des Körpers ist die Ausschüttung des Neurohormons Oxytocin. Liebevoll auch das „Kuschelhormon“ genannt, löst die Ausschüttung von Oxytocin bei uns das Bedürfnis nach Verbundenheit und körperlicher Nähe aus. Gleichzeitig hat das Hormon positive Wirkungen auf unser Herz-Kreislauf-System, denn es reguliert den Blutdruck und den Cortisolspiegel und kann somit vor Langzeitfolgen des Stresses schützen. Oxytocin ist dadurch der körpereigene Mechanismus zur Stressbewältigung.




3 Tipps die du in Stresssituationen nutzen kannst:


Doch was bedeutet nun all das? Was können wir aktiv in Stresssituationen tun?

  1. Reframe it! Sei dir in Stresssituationen bewusst, dass du im Stress bist und was deine körperlichen Reaktionen in dem Moment sind. Versuche tief durchzuatmen und sowohl deinen körperlichen Signalen als auch der Situation einen neuen Kontext zu geben.

  2. Bewege deinen Körper, um ihm zu helfen, die Stresshormone abzubauen. Das soll nicht heißen, dass du sofort zur nächsten Spinning Class musst, aber mache gerne einen kleinen Spaziergang.

  3. Rede mit anderen über deine Erfahrung und Gefühle. Das Gefühl von Verbundenheit zu anderen Menschen wird dafür sorgen, dass mehr Oxytocin ausgeschüttet wird und kann somit dein Stressempfinden beeinflussen.



Verfalle nicht in den Selbstoptimierungswahn

Diese Tipps sollen dich in deinem Stressmanagement unterstützen und dir helfen, dich und deinen Körper besser kennen zu lernen. Solltest du dich jedoch chronisch gestresst fühlen, möchten wir dir anraten dir Hilfe zu holen.